„Ich bereue meine Entscheidung, in die Politik gegangen zu sein, keine Sekunde."

Mein Berufsziel war es, Universitätsprofessor zu werden und nicht in die Politik zu gehen. Es gibt ja verschiedene Freunde von mir, die sich noch daran erinnern können, dass ich ja nicht einmal JG-Obmann werden wollte. Aber das ist ja alles heute belanglos. Wer glaubt, dass er eine politische Karriere planen kann, der ist von vornherein schon auf dem Holzweg. Der ist ohnehin schon erledigt.

Ein Ottakringer ist natürlich schon etwas Besonderes. Wer Ottakring verstehen will, muss ausführlich Weinheber gelesen haben und muss zumindest 4 Jahre in Ottakring gelebt haben. Dann wird er einigermaßen verstehen, was Ottakring ausmacht. Ich meine, es sind ja die Wiener alle sehr in ihren Bezirk verliebt. Das ist ja gar keine Frage. Aber Ottakring, das ist halt was Besonderes.
Ottakring als Paradebezirk der Integration (wie das Herr Staud gesagt hat) hat natürlich schon viel für sich, wenn man sich etwa die Entwicklung des ganzen Brunnenmarkt-Viertels anschaut. Durch behutsame Steuerungsmaßnahmen und nunmehr natürlich auch durch Investitionen ist das eigentlich so etwas wie Berlin-Kreuzberg geworden. Nur bei uns haben vorher keine Häuser gebrannt und es sind keine Menschen gestorben wie es in Berlin-Kreuzberg der Fall gewesen ist.

Ich bin vor kurzem in Florenz gewesen und war nicht einmal noch aus der Tür heraußen, höre ich schon: „ Jö, griaß Ihna, Herr Bürgermeister!" So ist es. Gut. Freut mich eh. Und angenehm ist es halt, zu spüren, dass die Leute einen mögen.

Worauf ich mich nach dem Urlaub freue? Also das kann ich sagen. Bei aller Liebe zur italienischen Küche, gerade zur toskanischen Küche, ich liebe sie wirklich, aber auf ein Gulasch und ein Bier und ein Semmerl dazu... Ehrlich gesagt, so kindisch bin ich ja. Das macht mir wirklich große Freude.

Helmut Zilk hat mich aus der Forschung, aus der Wissenschaft weggeholt, mit den Worten: „Deine depperten Frösche kannst du später auch zählen!" Da war ich leicht vergrämt ob dieser Qualifizierung meiner Frösche, aber zum anderen ist mir die Forschung die ersten Jahre natürlich abgegangen. Das ist ja keine Frage. Gerade im Frühling, wenn die Feldarbeiten angestanden sind, wo man draußen war. Aber ich bereue meine Entscheidung, in die Politik gegangen zu sein, keine Sekunde.

Mir ist wichtig, dass die Wienerinnen und Wiener sagen, ja, der macht eine gute Arbeit. Wenn Leute sagen, das ist ein klasser Bursche, den mögen wir, dann ist mir das auch angenehm. Mir ist wichtig, dass wir auf dem Weg zu einer Stadt des Wissens sind, zu einer Stadt des Geistes, einer Stadt der Kultur. Das sind Dinge, die mir wichtig sind.

Vor 26 oder 27 Jahren habe ich mit ein paar Kollegen zusammen so ein nettes Büchlein geschrieben „Die Kriechtiere und Lurche Niederösterreichs". Bis heute habe ich größte Mühe zu erklären, dass es ein zoologisches Fachbuch ist und kein politisches. Es ist aber ein zoologisches Fachbuch.

Ich bin jetzt fast 26 Jahre aus der Naturwissenschaft weg und da ist eine Rückkehr undenkbar. Man ist heute bei dem Tempo, das in der Naturwissenschaft herrscht, nach spätestens 5 Jahren völlig draußen. Heute bin ich froh, wenn ich meine alten Kollegen treffe und wir einen Spritzer miteinander trinken, dass ich zumindest noch verstehe, wovon sie reden.

Heute hat sich die Welt ja enorm geändert. Man muss sich das einmal vorstellen. Helmut Zilk war der Bürgermeister, der versucht hat, über den Eisernen Vorhang hinweg Brücken zu schlagen. Wien ist ja in so einem Blinddarm der Demokratie gelegen, 60 Kinometer vom eisernen Vorhang entfernt, der Europa sehr brutal getrennt hat. Während ich als Bürgermeister mithelfen durfte, Österreich und Wien in die Europäische Union zu führen. Das hat Wien in eine völlig andere Rolle gebracht - nicht nur in Mitteleuropa, sondern generell auch in der europäischen Politik. Daher ist man heute sehr viel mehr Manager und man ist sehr viel mehr internationaler Politiker als früher, wo man halt seinen Schrebergarten entsprechend zu beackern hatte. Wir sind ja tatsächlich eine Metropole Mitteleuropas und Europas und nicht mehr „nur" die Bundeshauptstadt Österreichs. Wir haben heute einen ungeheuerlichen Ruf, etwa in den Städten und Ländern am Balkan. Wir sind so was wie der erste Ansprechpartner für sie. Ich mein, ein Wiener Bürgermeister braucht natürlich nach wie vor einen Schmäh, das ist ja keine Frage, nicht wahr. Ohne Schmäh kann ein Wiener Bürgermeister nicht existieren, aber nur vom Schmäh kann er auch nicht leben.